Schoenenbourg - Juni 1940


Am 4. Juni erleidet ein Geschütz der 12-cm-Abteilung einen Rohrkrepierer. Das zweite Geschütz wird dabei auch beschädigt, kann aber wieder instandgesetzt werden. Die Mannschaft des 8,1cm Panzerturms hat 8 Verletzte zu beklagen, wovon 3 schwer verletzt sind. Am 6. Juni stirbt der Kanonier Derendinger an den Folgen seiner Verletzungen.

Am 6. Juni bezieht eine neue 12cm Geschützabteilung ihre Stellung bei den Eingängen und die wieder vervollständigte Mannschaft des 8,1cm Panzerturms bedient dann die drei 12 cm-Geschütze.  


Block 1



Am 12. Juni werden die lntervall-Truppen abgezogen, um weiter im Süden Frankreichs eingesetzt zu werden. Am 13. Juni wird das zweite Geschütz, das bei den vorderen Blöcken in Stellung ist, total beschädigt.

Am 15. Juni greifen die Deutschen die Stützpunkte zwischen Hoffen und Oberroedern an. Das Werk gibt jetzt mit seinen vier 7,5 cm Kanonen 80 Schuss zur Unterstützung für den Stützpunkt 7 ab; 80 in Richtung Oberseebach; 80 in Richtung Stundwiller. Die Türme arbeiten nach einer Warteliste; - und das mit grösstem Erfolg.

Gegen Mittag kann das Werk sogar einen Gegenangriff unterstützen. Die Bunker von Oberseebach können zurückerobert werden. Zugleich wird der gegnerische Angriff gestoppt. Aber der Munitionsverbrauch ist sehr hoch.

In den folgenden Tagen beschiesst die Festungsartillerie weiterhin den Angreifer, aber der Kommandant muss den Munitionsverbrauch einschränken und nur schiessen, wenn der grösste Effekt erzielt werden kann. Die 7,5 cm GranathüIsen werden an den von den lntervall-Truppen aufgegebenen Stellungen eingesammelt und ins Werk gebracht.

Am 17. Juni nimmt das Werk wieder den Beschuss auf und feuert in Richtung Oberroedem, Aschbach und Hoffen, ebenfalls am 18., 19. und 20. Juni. An diesem Tag unterstützen die Blöcke 3 und 4 den aussergewöhnlichen Widerstand der Kasematten von Aschbach und von Oberroedem und tragen dazu bei, den Angriff der 246. ID zu brechen.

Am Abend des 20. Juni setzen dann die Deutschen erhebliche Mittel ein, um den Widerstand der Festung zu brechen. Zwei Stuka-Geschwader greifen gegen 20 Uhr die Kampfblöcke an. Im Sturzflug belegen sie die Festung mit schweren Bomben. Die Panzertürme werden dadurch mit Erdmassen zugedeckt, können aber während der Nacht wieder freigeschaufelt werden.

Am 21. Juni treten wieder die 7,5 cm Geschütztürme in Aktion, aber die Stukas kommen noch dreimal zurück :

um 9.30 Uhr explodiert eine Bombe im Diamantgraben von Block 6 und reisst ein mächtiges Loch in dessen Beton. Betonbrocken fallen den Treppenschacht hinunter und der dadurch erzeugte Staub und Rauch löst einen Gasalarm aus ;

um 11.15 Uhr greifen 27 Stukas das Werk erneut an, aber der von ihnen angerichtete Schaden ist gering ;

ein weiterer Angriff der Stukas um 18.30 Uhr, aber ohne nennenswerten Erfolg.

Am Nachmittag des 22. Juni greifen die Flugzeuge noch einmal an. Auf das Werk dürften etwa 60 schwere Bomben geworfen worden sein sowie etwa 100 Ieichtere. Die schweren Bomben haben Trichter mit einem Durchmesser von 5 bis 20 m und einer Tiefe von 2 bis 7 m hinterlassen. Ausser den schon beschriebenen Schäden an dem Block 6 hat der Explosionsdruck einer Bombe die Halterung der Maschinengewehre von Block 1 verbogen, eine andere hat den Block 4 von der ihn schützenden Erde freigelegt. Eine weitere hat den dagegen den Block 5 mit einer 1 m dicken Schicht von Erde und GeröIl überschüttet. Alle diese Schäden konnten sofort behoben werden.

Am 21. Juni, nach dem Misserfolg der Luftangriffe, setzen die Deutschen einen 42 cm Skoda-Mörser ein. Dieser Mörser verschiesst 1.020 kg schwere Granaten und hat eine Reichweite von 14,2 km. Er wurde per Eisenbahn herbefördert und hat südlich von Wissembourg Stellung bezogen. Der Eintreffwinkel seiner Geschosse beträgt ungefähr 50 Grad.

Der Beschuss beginnt um 16.15 Uhr und erfolgt n einem Abstand von genau 7 Minuten. Die Mannschaften müssen unwillkürlich an die Bombardierung von Fort Moulainville denken - durch einen ähnlichen Mörser - nur 24 Jahre früher. Die am Beton angerichteten Schäden sind nur oberflächlicher Natur, aber die Risse in der Erde reichen bis in eine Tiefe von 20 m.

An diesem Abend fallen 14 dieser Geschosse auf das Werk. Am 22. Juni um 16.15 Uhr nimmt der 42 cm Mörser seine Tätigkeit wieder auf und verschiesst 14 Granaten. 


Block 4


Die 7,5 cm Geschütztürme bleiben während der Beschiessung versenkt, werden aber sofort nach dem Beschuss wieder ausgefahren. Darüberhinaus warten deutsche 8,8 cm Flak und 10,5 cm Geschütze auf das gerinste Anzeichen der Geschütztürme, den Beschuss wieder aufzunehmen.  Im ausgefahrenen Zustand sind die Türme relativ verwundbar. Ein Geschoss trifft bei Block 3 die SteIIe, wo Vorpanzer des Turmes und der Beton des Blockes ineinander übergehen. Flammen und Rauch dringen in den Block ein. Der Turm kann nicht mehr ganz versenkt werden und mit Hammer und Meissel muss das ihn verklemmende Stück Stahl während der Nacht entfernt werden. Von nun an müssen die Türme geschont werden.

23. Juni: das Werk feuert weiter aus allen Rohren, aber schon ab 7.52 Uhr verschiesst der 42 cm Mörser weitere 14 Granaten. Der 7,5 cm Geschützturm von Block 3 bekommt einen Volltreffer ab: seine Munitionsmagazine M 1 und M 2 weisen Risse auf, aber der Block hält. Um 19.20 Uhr schlagen erneut 14 42 cm Granaten ein. Die Panzertürme bleiben versenkt. Die Blöcke erbeben unter den Einschlägen, können aber sofort nach dem Beschuss ihre Tätigkeit wieder aufnehmen.

Der 8,1 cm Granatwerferturm tritt jetzt auch in Aktion, aber auch er bekommt einen Treffer ab und kann nicht mehr versenkt werden. Bei Beginn der Nacht stellt eine hinausgeschickte Streife fest, dass der 8,1 cm Panzerturm ganz knapp einer Katastrophe entgangen war.

Ein 42 cm Geschoss ist 50 cm vor der Granatwerferglocke explodiert. Da die Waffe noch nicht eingebaut war, hatte man die Öffnung provisorisch mit einer nur 4 cm dicken Stahlplatte verschlossen. Wäre diese Platte von einem 1 000 kg schweren Geschoss getroffen worden, hätte sie keine genügende Widerstandsfähigkeit besessen und Block 5 wäre vollständig in die Luft gesprengt worden.

Am 24. Juni beschiesst dann das Werk feindliche Truppenansammlungen, wird aber sofort von 10,5 cm und 15 cm Geschützen unter Feuer genommen.

Am 25. Juni wird der Waffenstillstand unterzeichnet und tritt in der Nacht vom 25. zum 26. Juni in Kraft. Die Besatzung von Schoenenbourg hält  immer noch die Festung, die weiterhin ihre volle Feuerkraft besitzt.

Zwischen dem 14. und 25. Juni hat das Werk 12.776 Granaten vom Kaliber 7,5 cm und 612 vom Kaliber 8,1 cm verschossen, während es seit Kriegsbeginn bis zum 14. Juni nur 3.026 7,5 cm Granaten und 708,1 cm Granaten abgefeuert hatte.

Auf Befehl einer aus dem unbesetzten Frankreich hergereisten militärischen Abordnung überlassen am 1. Juli die Mannschaften das Festungswerk den Deutschen; sie sind unbesiegt und hätten erwartet, in Freiheit entlassen zu werden. lhre Erwartungen gehen aber nicht in Erfüllung, denn sie werden in eine lange Gefangenschaft abgeführt.


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