Die Aufgaben der Maginot-Linie


Die Maginot-Linie sollte mehrere Aufgaben erfüllen:
- einen Überraschungangriff vermeiden und Alarm schlagen
- die Mobilisierung der französischen Armee decken (welche zwischen zwei und drei Wochen in Anspruch nahm)
- die fehlenden Jahrgänge von 1914-18 kompensieren, indem sie seit 1934 operationsbereit war
- sparsam mit den Truppen umgehen (Frankreich zählte 39 Millionen Einwohner, Deutschland 70 Millionen)
- das Elsaß und Lothringen mitsamt ihrem Industriebecken schützen (waren 1918 nach Frankreich zurückgekehrt) 
- als Basis für eine Gegenoffensive dienen
- den Feind dazu zwingen, sie über die Schweiz oder über Belgien zu übergehen

Die belgische Hypothese:

In ihrem ursprünglichen Plan, bedachte die Maginot-Linie Belgien als Lasur Frankreichs. Und in der Tat: um die Maginot-Linie bezwingen zu können, mussten die Deutschen enorme Mittel und vor allem schwere Artillerie mobilisieren. Diese Artillerie wird erst 1942 einsatzbereit sein, in dem Wissen, dass sich die Entwicklung des Krieges beschleunigt.
Belgien war ein Ziel für Frankreich und für Deutschland. Denn falls Frankreich Belgien hielt, hätte es das Industrie-und Minenbecken des Ruhrgebietes in Schußreichweite. Umgekehrt, hätte Deutschland, wenn es Belgien eroberte, das Industriebecken des Nord-Pas-de-Calais in seiner Reichweite.
Schließlich hätten die Deutschen, im Falle einer Einnahme Belgiens und Hollands, die Häfen neutralisiert und so die Betankung der Briten behindert, mit dem zusätzlichen Vorteil England in Reichweite ihrer Luftwaffe zu haben. Es lässt sich also feststellen, dass Belgien eine gleich große Bedeutung für alle drei Protagonisten hatte: für die Deutschen, Briten, sowie für die Franzosen.

Die Schweizer Hypothese

Der Plan der Maginot-Linie berücksichtigte auch die Schweiz als Durchgang einer möglichen Invasion. Diese Hypothese wäre vor allem im Falle einer vereinten Attacke Deutschlands und Italiens wertvoll gewesen.
Im Vergleich zur "belgischen" Option, hatte die "Schweizer" Option strategisch gesehen einen geringen Wert.

Schlußfolgerung

1939 wurde die Option einer Invasion über Belgien vom französischen Oberkommando zurückgehalten, man arbeitete erst den Plan Escaut, dann den Plan Dyle aus, um sie zu durchkreuzen.
Entgegen der öffentlichen Meinung, war die Invasion Belgiens durch die Deutschen keine Überraschung für das französische Kommando, sie war exakt das, was man vom Feinde erwartete.
Die Abwesenheit jeglicher Kollaboration auf belgischer Seite, sowie Schwächen auf Seiten der Franzosen, warfen die Alliierten in ein zweifelhaftes militärisches Abenteuer.

BG/13-11-08


- zurück