Clermont-Ferrand, den 3. Juli 1940 - Colonel MARION



KOPIE


Clermont-Ferrand, den 3. Juli 1940

Colonel MARION

Herr General, Oberkommandierender Weygand,

Minister der nationalen Verteidigung:

Herr General Georges,

Heeresführer

Ich habe die Ehre, Ihnen mitzuteilen, dass ich die mühsame Mission, welche mir anvertraut wurde, gemeinsam mit den Lieutnant-Colonels von SOUZY und SIMON erfüllt habe, nämlich die Evakuation der Maginot-Linie zu sichern. Die Frage, die mir besonders zu Herzen ging, war zu gewährleisten, dass die Verteidiger unserer Festungswerke, nicht als Kriegsgefangene betrachtet werden und ihre Freiheit erlangen.

Begleitet von deutschen Offizieren seit dem Treffen von TAIN-LHERMITAGE, sind wir in der Nacht vom 27. auf den 28. Juni in Lunéville angekommen- ich stellte mich am Morgen des 28. bei der obersten deutschen Heeresführung vor: der Chef der Heeresführung, bat mich in der Folge, mich und meine Kameraden in Richtung der Werke zu führen, zudem gab er den Besetzern den Befehl, diese zu räumen und sich bedingunslos zu ergeben, wenn sie dem nicht nachkämen, seien sie als Partisanen zu behandeln. Ich erkundigte mich, um welche Festungswerke, es sich handle: mir wurde ausweichend geantwortet, es handele sich, um Werke in der Region von BOULAY, in den Vogesen und am Rhein... und es gelang mir nicht, Näheres zu erfahren. Also weigerte ich mich, der Aufforderung, die mir gemacht wurde, Folge zu leisten und erklärte, dass wenn ich den Befehl zur Evakuation geben würde, ich einer bedingungslosen Aufgabe nicht zustimmen könnte, da diese Truppen bis zum Waffenstillstand ausgehalten hatten, und nicht zu Kriegsgefangen gemacht werden können, in jedem Fall könne ich einen solchen Befehl nicht ohne die Instruktionen des französischen Oberkommandos erteilen.

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Ich hinterließ also folgende Nachricht:

Gegen 14 Uhr erhielten wir den Befehl der Waffenstillstandskommission in Wiesbaden, wo wir am Abend, noch einige Stunden vor General HUTZIGER, ankamen.

Ich setzte ihn über die Situation in Kenntnis und berichtete ihm die Unwissenheit, in der man mich gelassen hatte und teilte ihm den meinen Eindruck mit, dass die Werke, die sich noch immer widersetzten zahlreicher waren, als wir zunächst angenommen hatten.

General HUNTZIGER störte sich am Abend des 28. und des 29. an der kategorischen Weigerung der deutschen Delegation (folgender Brief): es ist anzumerken, dass in diesem Brief die Frage nach den Werken im Osten von la Moselle als ohne Schwierigkeiten geregelt behandelt wurde.

Am 30. brachen wir, der Lieutnant-Colonel von SOUZY, der Lieutnant-Colonel SIMON und ich, von Saarbrücken, jeder in eine der besagten Richtungen, auf: zum Rhein, in die Vogesen, nach Boulay.

Jeder von uns erfüllte aufs beste, die ihm anvertraute Aufgabe: dies erfolgte nicht ohne einige Schwierigkeiten und vehmente Proteste seitens der Offiziere, die wir bereinigen mussten: dass, wie ungerecht die getroffenen Maßnahmen auch seien, diese befolgt werden müssen.

Nachdem wir uns am Abend wieder nach Luneville begaben, stellten wir fest, dass es sich im Grunde um die gesamte Linie der großen Werke zwischen Moselle und Rhein, von la Moselle bis zur Region von Saint AVOLD und von ROHRBACH bis HOHEKIRKEL, und schließlich um Kasematten süd-östlich LEMBACHs bis zum Rhein handelte. Was mich betrifft, der im Sektor Moselle Saint AVOLD beschäftigt war, wurde ich in Kenntnis gesetzt, dass die selbe Aufgabe im Osten la Moselles am nächsten Tag erfüllt werden musste.

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Ich schrieb also am Abend des 30. ein Telegramm an den General HUNTZIGER, klärte ihn darüber auf, dass einerseits alle Vorkehrungen für die Ausführung der Befehle getroffen waren, andererseits, führte ich das Ausmaß der Linie von Werken, die sich noch in unserer Hand befanden an, und fragte ihn, ob er es für möglich hielt, einen letzten Versuch zugunsten der Befreiung der Garnisonen zu machen.

Am 1. Juli, fand ich zu den selben Bedingungen wie in la Moselle die östlichen Teile des Sektors von THIONVILLE, ROCHONVILLERS vor. Schließlich verlangte man von mir, mich endlich in den Sektor von la CRUSNE, dessen Garnisonen die Werke bereits seit einigen Tagen geräumt hatten und sich in den Kasernen befanden, sich aber darauf verließen, entgegen der deutschen Behauptungen, nicht als Gefangene angesehen zu werden, zu begeben: ich erfüllte dieselbe Aufgabe.

Folglich lässt sich sagen, dass alle großen Festungswerke der Maginot-Linie, mit Ausnahme von Haut Poirier, noch standhielten, die Gesamtzahl der Besatzer belief sich auf ungefähr 25.000 Mann.

Wir konnten lediglich erwirken, dass Degen oder Revolver ohne Munition, zur Erleichterung des Transportes des Gepäcks, den Offizieren gelassen wurden.

Am Morgen des 2. Juli erhielt ich von General HUNTZIGER folgende Antwort:

Obwohl ich Ihnen meine Bewunderung bezüglich der hervorragenden Führung der Garnisonen, über welche Sie mich unterrichteten, ausspreche, habe ich keine andere Wahl, als an der sofortigen Ausführung des Befehls vom 29. Juni, den Sie am selben Tag erhielten, festzuhalten, da eine Abänderung der Entscheidungen des OBERKOMMANDOS unmöglich ist.g

Die Sache war also entschieden. Die Folgen waren hart fürdie Besatzungen der befestigten Regionen, welche doch ihre Mission bis zum Schluß erfüllt hatten, aber man muss dazu anmerken, dass wenn mehrere Werke ernsthaft bombadiert worden wären, hätte keines der noch besetzten Anlagen dies ausgehalten hätten, bis auf FERMONT, welches standhielt.

Das deutsche Kommando verhielt sich stets sehr korrekt und ehrte manchesmal die Garnisonen der Werke.





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